Belastungen und Bewältigungsstrategien von erwachsenen Töchtern in der häuslichen Pflege von körperlich und geistig kranken Müttern und Vätern

Burden and coping strategies of adult daughters in home care of parents with physical and mental diseases

Viele Studien belegen die überproportionale Zunahme alter Menschen an der Gesamtgesellschaft. Daher wird zu Recht eine "Kultur des Alters" gefordert, die die Entwicklung zu einer altersgerechten Gesellschaft unterstützt (BMFSFJ, 2002). Die Herausforderungen bestehen darin, die alten und betagten Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen, und die physisch und psychisch erkrankten, alten Menschen adäquat zu versorgen. Das erfordert, die Bedeutung der veränderten Alterspyramide dialogfähig zu machen und die Phänomene der Hochaltrigkeit nicht nur auf der Ebene der Forschung zu verstehen, sondern auch ein Bewusstsein für die Normalität des Alters zu schaffen. Es darf bei den Betrachtungen der Hochaltrigkeit aber nicht vergessen werden, dass die Politik die pflegerische Versorgung dieser betagten Menschen als private Aufgabe annimmt, die zumeist, ganz entsprechend tradierter, aber gültiger Vorstellungen im Verantwortungsbereich der Frauen liegt. Damit ist eine weitere Dimension der altersgewandelten Gesellschaft angesprochen: Die weitgehend weiblichen privaten und großenteils unentgeltlichen Leistungen der privaten Altenpflege. Auf gesellschaftlicher Ebene ist sie von großem monetären und auch psychischen Nutzen, weil mit ihr ein offener Dialog des Themas verhindert wird. Auf individueller Ebene, aus Sicht der Pflegenden, sind damit aber nicht selten hohe physische und psychische Kosten verbunden, die in der Wissenschaft als "Syndrom der häuslichen Angehörigenpflege" diskutiert werden (z.B. Zeman, 2005). Entsprechend liegen viele Untersuchungen, insbesondere zu den gesundheitlichen Belastungen vor (z.B. Gräßel, 1998a). Weniger bekannt ist, welche Strategien die pflegenden Angehörigen (außer den bekannten instrumentellen Unterstützungsleistungen) nutzen, um die nicht selten über Jahre hinweg dauernden Belastungen zu bewältigen. Genau an diesem Punkt setzt diese Arbeit an. Diese Arbeit untersucht die extremen Belastungen und Bewältigungsstrategien von erwachsenen Töchtern, die ihre geistig und körperlich beeinträchtigten Eltern pflegten. Anhand von qualitativen Interviews und psychometrischen Tests konnte gezeigt werden, dass die Elternpflege ein kritisches Ereignis mit traumatisierendem Potenzial ist. Ein Ergebnis ist, dass die häusliche Pflege umso besser bewältigt wird, je besser eine kognitive Umdeutung gelingt.
This works examines the extreme burden and coping strategies of adult daughters who took care for their parents with mental and physical diseases. It showed that home care is a very critical event coming along with a trauma potential. The study was based on psychometric tests and qualitative interviews.

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Metadaten
Author:Melanie Deutmeyer
URN:urn:nbn:de:bvb:384-opus-7379
Advisor:Prof. Dr. Dr. Rolf Haubl
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Date of Publication (online):07.05.2008
Year of Creation:2006
Publishing Institution:Universität Augsburg
Granting Institution:Universität Augsburg, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
Date of final exam:17.02.2006
Tag:extreme burden; home care; trauma
SWD-Keyword:Außergewöhnliche Belastung; Hauspflege; Psychisches Trauma
Institutes:Betriebswirtschaftslehre
Dewey Decimal Classification:150 Psychologie