Ursachen von Unterrichtsstörungen im Fach Musik aus Sicht der Beteiligten und Entwurf eines Diagnosebogens zur Metakommunikation im Musikunterricht der Bayerischen Realschule

The causes of disturbances of classroom work in music lessons from the point of view of the persons involved, and a draft of a diagnosis sheet on metacommunication in musical education at Bavarian lower level secondary schools (Realschulen)

  • Unterrichtsstörungen zählen zu den überzeitlichen, allgegenwärtigen und somit natürlichen Charakteristika schulischer Bildungs- und Erziehungsprozesse. Annahmen in der Fachliteratur, zahlreiche Aussagen der am Unterricht Beteiligten sowie eigene Beobachtungen geben Anlass zur Vermutung, dass das Fach Musik - im Gegensatz zur allgemeinen Beliebtheit seines Fachgegenstandes - in besonderer Weise durch das Problem "Unterrichtsstörungen" betroffen ist. Nicht selten führen Störungen zu starken und dauerhaften Belastungen des Unterrichts und der Lehrer-Schüler-Beziehung sowie zu Beeinträchtigungen der Lehrergesundheit, die bis zu schwerwiegender Erkrankung und Berufsunfähigkeit reichen können. Obwohl das Phänomen als allgemein bekannt anzunehmen ist, existieren kaum fachspezifische Untersuchungen zu den Ursachen von Unterrichtsstörungen, so dass diese alltägliche Schattenseite der Unterrichtsrealität in der Forschung als vernachlässigt zu bezeichnen ist. Auch in anderen Fachdisziplinen istUnterrichtsstörungen zählen zu den überzeitlichen, allgegenwärtigen und somit natürlichen Charakteristika schulischer Bildungs- und Erziehungsprozesse. Annahmen in der Fachliteratur, zahlreiche Aussagen der am Unterricht Beteiligten sowie eigene Beobachtungen geben Anlass zur Vermutung, dass das Fach Musik - im Gegensatz zur allgemeinen Beliebtheit seines Fachgegenstandes - in besonderer Weise durch das Problem "Unterrichtsstörungen" betroffen ist. Nicht selten führen Störungen zu starken und dauerhaften Belastungen des Unterrichts und der Lehrer-Schüler-Beziehung sowie zu Beeinträchtigungen der Lehrergesundheit, die bis zu schwerwiegender Erkrankung und Berufsunfähigkeit reichen können. Obwohl das Phänomen als allgemein bekannt anzunehmen ist, existieren kaum fachspezifische Untersuchungen zu den Ursachen von Unterrichtsstörungen, so dass diese alltägliche Schattenseite der Unterrichtsrealität in der Forschung als vernachlässigt zu bezeichnen ist. Auch in anderen Fachdisziplinen ist ein Mangel an fachspezifischer Forschung im Hinblick auf die Ursachen gestörten Unterrichts festzustellen. Ziel der Arbeit ist es, über empirische Zugänge ein umfassendes, neuartiges Forschungsgebiet zu eröffnen, über das sich Aussagen zur Existenz, Quantität und Qualität fachspezifischer Ursachen von Unterrichtsstörungen im Fach Musik aus Sicht der Beteiligten generieren und praktisch nutzbar machen lassen. Übergeordnet ist die Intention, mit dieser Arbeit einen Beitrag zur Problemsensibilisierung, zur Verbesserung der Unterrichtsqualität und zur Bewahrung der Lehrergesundheit zu leisten. Unterrichtsstörungen werden dabei nicht einseitig als vom Lehrer oder vom Schüler verursacht betrachtet. Anstelle pauschaler Alltagsvermutungen, die vorschnell und undifferenziert Erklärungsansätze liefern, rücken die Einschätzungen und Erfahrungen der am Unterricht direkt Beteiligten in den Fokus der Untersuchung. Im ersten Teil der Arbeit wird auf terminologischer Basis des Begriffes "Unterrichtsstörungen", dessen Auswahl nach ausführlicher Abwägung alternativer Fachtermini erfolgt, der Stand der Forschung zum Themenfeld "Unterrichtsstörungen und deren Ursachen" in der pädagogischen, schulpädagogischen und fachdidaktisch ausgerichteten Literatur beleuchtet. Zur theoretisch-wissenschaftlichen Verankerung und als Leitmodell für die Verbindung der theoretischen, empirischen und unterrichtspraktischen Teile der Arbeit dienen die Grundsätze der Kritisch-kommunikativen Didaktik, in deren Gesamtkonzeption der störfaktorielle Aspekt des Unterrichts eingebettet ist. In einem Empirieteil erfolgt nach Darstellung eines eigenen, fachspezifischen Systematisierungsansatzes die Erläuterung verschiedener empirischer Annäherungsversuche an die Erforschung der Ursachen von Unterrichtsstörungen im Fach Musik. Den Kern der empirischen Exploration bildet die Befragung von Lehrern und Schülern per E-Mail sowie über Einzel- und Gruppeninterviews. In einer ausführlichen Diskussion werden die Vor- und Nachteile der Beurteilung des Unterrichts aus der Lehrer- bzw. aus der Schülerperspektive dargestellt und gegeneinander abgewogen. Hauptergebnis der Auswertung mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ist die Kategorisierung von 21 Ursachen für gestörten Musikunterricht, die systemisch-strukturell bedingte, unterrichtliche und inhaltlich-methodische Schwierigkeiten sowie problematische Aspekte auf Lehrer- und Schülerseite und im Hinblick auf deren Beziehung zueinander umfasst. Weitere Ergebnisse stellen die Systematisierung fachspezifischer Ursachen von Unterrichtsstörungen sowie Aussagen zu den Einschätzungen der Häufigkeit von Störungen im Vergleich zu anderen Fächern, zu Empathie und zu Selbst- und Fremdeinschätzung von Lehrern und Schülern dar. In einem Praxisteil werden schließlich ausgewählte Ursachenbereiche im Hinblick auf die in der Forschung vernachlässigte Schulform der (Bayerischen) Realschule konkretisiert, indem die Schulform in Abgrenzung zu weiteren Schulformen hinsichtlich ihrer systemisch-strukturellen und historischen Bedingungen beleuchtet wird. Veränderbare und von Schülern und Lehrern gestaltbare Ursachenbereiche werden als unterrichtspraktisch-konstruktive Umsetzung in einen Diagnosebogen eingebettet, der zur Evaluation des eigenen Musikunterrichts dient. Der Einsatz sowie der Umgang und die Auswertung des Diagnosebogens werden in einem eigenen Kapitel ausführlich beleuchtet, das überdies die Auseinandersetzung mit dem Begriff und den Methoden der Metakommunikation einschließt. Den Abschluss der Arbeit bilden fachspezifische Forschungsausblicke sowie Vorschläge zur weiteren Bearbeitung des Problems in verwandten Fachdisziplinen. Der Anhang umfasst das der empirischen Exploration zugrunde liegende Material, z.B. Interviewtranskriptionen, Mailbeiträge, Elternbriefe, Interviewleitfäden etc.show moreshow less
  • Disturbances of classroom work at school are a characteristic feature of educational and training processes in daily school practice. Suppositions in specialist literature, numerous statements of persons involved in music lessons, as well as the author's own observations give rise to the assumption that music lessons – contrary to their general popularity – are particularly affected by this problem. Not infrequently, such disturbances in music lessons tend to severely and continuously affect classroom work, the teacher-pupil relationship as well as teachers' health. Although it can be assumed that this phenomenon is generally known, there hardly exist any subject-specific studies of the causes of disturbances of classroom work at school, so that this negative side of classroom reality has so far not received much attention. A lack of specific research with respect to the causes of such disturbance phenomena can be observed in other scientific disciplines as well. The present paper,Disturbances of classroom work at school are a characteristic feature of educational and training processes in daily school practice. Suppositions in specialist literature, numerous statements of persons involved in music lessons, as well as the author's own observations give rise to the assumption that music lessons – contrary to their general popularity – are particularly affected by this problem. Not infrequently, such disturbances in music lessons tend to severely and continuously affect classroom work, the teacher-pupil relationship as well as teachers' health. Although it can be assumed that this phenomenon is generally known, there hardly exist any subject-specific studies of the causes of disturbances of classroom work at school, so that this negative side of classroom reality has so far not received much attention. A lack of specific research with respect to the causes of such disturbance phenomena can be observed in other scientific disciplines as well. The present paper, which is based on empirical studies, intends to open up a comprehensive and novel field of research through which statements on the existence, quantity and quality of subject-related causes of disturbances of classroom work in music lessons from the point of view of the persons involved can be generated and practically implemented in classroom teaching. As an overriding aim it further intends to make a contribution towards problem awareness, the improvement of teaching quality and the protection of teachers' health. In this paper, disturbances of classroom work are not considered one-sidedly to be something caused by either the teachers or the pupils. The present study is not based on generalized assumptions providing hasty and undifferentiated explanations, but rather on the evaluations and experiences by the persons directly involved in music lessons. The theoretical part of the present dissertation, after an initial clarification of terminology, deals with the state of research in the subject matter of "Disturbances of classroom work and its causes" as described in special literature on general education theory, school education and subject-related didactics. The basic principles of critical-communicative didactics, in whose overall concept the disturbance aspects of classroom teaching are embedded, serve as a theoretical-scientific bondage and as a guide model for interrelating the theoretical, empirical and practical parts of this paper. In an empirical part, the paper first describes the author's own specific method of systematisation and then gives an illustration of various empirical attempts of approaching the exploration of the causes of disturbances of classroom work during music lessons. The empirical exploration itself centres around a survey of teachers and pupils which was conducted by means of single and group interviews as well as through mailing list contributions. The advantages and disadvantages of having school lessons evaluated by teachers and pupils are discussed in detail and balanced against one another. The main finding of the evaluation, based on the qualitative content analysis according to Mayring, is a categorisation of 21 causes of classroom work disturbances in music lessons comprising systemic-structurally conditioned, didactic and content methodology-related difficulties as well as problematic aspects on the part of teachers and pupils and/or their mutual relationship. Further findings include a systematisation of subject-related causes of disturbances of classroom work as well as statements on the estimated frequency of such disturbances in music lessons as compared with other subjects, on empathy as well as on self-assessment and external assessment thereof by teachers and pupils. The practical part of this paper finally gives concrete examples of selected ranges of causes for disturbances of classroom work experienced in (Bavarian) lower-level secondary schools (Realschulen), which latter have so far been neglected by research, by illustrating their systemic-structural and historic conditions as compared with and delimited against other school types. Those causes of disturbances of classroom work, which can be altered and formed by pupils and teachers, were embedded in a diagnosis sheet serving as an aid for music teachers in evaluating their own music lessons. Ways of using and evaluating the diagnosis sheet are described in a separate chapter which further includes an analysis of and the methodology used by metacommunication. The last part of this dissertation gives subject-specific research perspectives and makes suggestions for dealing with this problem in related scientific disciplines. Attached to this paper is the underlying material, such as interview transcripts, emailed contributions, letters from parents, interview guidelines, etc.show moreshow less

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Metadaten
Author:Daniel Mark EberhardGND
URN:urn:nbn:de:bvb:384-opus-16234
Frontdoor URLhttps://opus.bibliothek.uni-augsburg.de/opus4/1430
Advisor:Rudolf-Dieter Kraemer
Type:Doctoral Thesis
Language:German
Publishing Institution:Universität Augsburg
Granting Institution:Universität Augsburg, Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät
Date of final exam:2010/07/13
Release Date:2010/08/18
Tag:Metakommunikation
school music; discipline problems; metacommunication
GND-Keyword:Bayern; Realschule; Musikunterricht; Unterrichtsstörung; Empirische Pädagogik
Institutes:Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät
Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät / Leopold-Mozart-Zentrum
Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät / Leopold-Mozart-Zentrum / Institut für Musikpädagogik, Musiktherapie und Musikwissenschaft
Dewey Decimal Classification:7 Künste und Unterhaltung / 78 Musik / 780 Musik
Licence (German):Deutsches Urheberrecht