"Selbst wenn Fehler gemacht werden, sollten sie geschlossen gemacht werden [...]. Deshalb war es ein unkluges, politisch sehr schädliches Beginnen, daß die 'unabhängige' Partei sich gegründet hat.": Die Spaltung der bayerischen Sozialdemokratie im Ersten Weltkrieg und die Entstehung der USPD ; Vorgeschichte - Verlauf - Ursachen

  • Vorliegende Untersuchung befasst sich mit der Geschichte der bayerischen Sozialdemokratie im Ersten Weltkrieg bis zum Vorabend der Revolution, insbesondere mit der Spaltung der Parteiorganisation(en) ab April 1917 und der Gründung der USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands). Die Wechselwirkungen zwischen der Entwicklung in Bayern und im übrigen Reich werden dabei ausführlich behandelt; dies gilt auch für die detailliert untersuchte Zeit von der Jahrhundertwende bis 1914. Dabei werden v. a. die Programm- und Strategiedebatten innerhalb der Sozialdemokratie behandelt, die im Hinblick auf die Entscheidungen zu Beginn des Ersten Weltkrieges bzw. während des Krieges relevant sind. Es werden somit auch Aspekte der Vorgeschichte der Burgfriedenspolitik dargestellt, die bislang noch nicht hinlänglich aufgearbeitet worden sind (explizit die Genese der so genannten Kompensations- bzw. Integrationsstrategie). Untersuchungsgegenstand sind dabei nicht nur die zentralen GremienVorliegende Untersuchung befasst sich mit der Geschichte der bayerischen Sozialdemokratie im Ersten Weltkrieg bis zum Vorabend der Revolution, insbesondere mit der Spaltung der Parteiorganisation(en) ab April 1917 und der Gründung der USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands). Die Wechselwirkungen zwischen der Entwicklung in Bayern und im übrigen Reich werden dabei ausführlich behandelt; dies gilt auch für die detailliert untersuchte Zeit von der Jahrhundertwende bis 1914. Dabei werden v. a. die Programm- und Strategiedebatten innerhalb der Sozialdemokratie behandelt, die im Hinblick auf die Entscheidungen zu Beginn des Ersten Weltkrieges bzw. während des Krieges relevant sind. Es werden somit auch Aspekte der Vorgeschichte der Burgfriedenspolitik dargestellt, die bislang noch nicht hinlänglich aufgearbeitet worden sind (explizit die Genese der so genannten Kompensations- bzw. Integrationsstrategie). Untersuchungsgegenstand sind dabei nicht nur die zentralen Gremien der SPD auf Landesebene (Landesvorstand, Landtagsfraktion), sondern es werden auch – soweit die schwierige Quellenlage es zulässt – die Entwicklungen in den einzelnen Ortsverbänden nachzuzeichnen versucht. Die bis zum unversöhnlichen Streit eskalierenden Debatten über die Burgfriedenspolitik in Presse und Publizistik, auf Konferenzen und Versammlungen stehen im Mittelpunkt des Interesses. Der Prozess der Parteispaltung wurde z. T. von bereits bekannten Persönlichkeiten (z. B. Kurt Eisner, Felix Fechenbach, Ernst Toller) bestimmt, aber auch von bisher weitgehend unerforschten Protagonisten (z. B. Fritz Soldmann, Max Blumtritt, Carl Kröpelin, Johann Baier), deren Rolle näher untersucht wird. Die Parteiopposition innerhalb der SPD (bzw. später die USPD) agierte unter außerordentlich schwierigen Rahmenbedingungen, die in erster Linie durch die Politik der Militär- und Zivilbehörden unter den Ausnahmebedingungen des Kriegszustandes festgelegt wurden. Die Handlungsmöglichkeiten für oppositionelle Bestrebungen sowie der unterschiedlichen Strategien, mit denen die staatlichen Stellen auf diese reagierten, bilden eine weitere zentrale Achse der vorliegenden Studie. Sie thematisiert damit auch wichtige Fragen der bayerischen Innenpolitik, etwa das Verhältnis zwischen Militär- und Zivilbehörden, die Reformfähigkeit des politischen Systems insgesamt oder die Sonderentwicklung (bzw. deren Grenzen) Bayerns innerhalb des Reiches. Als Leitfrage zieht sich die Frage nach Kontinuität und Wandel durch die ganze Untersuchung. Insgesamt lässt sich die These erhärten, dass zahlreiche der im Weltkrieg getroffenen politischen Entscheidungen bereits lange vor 1914 angelegt waren. Die ganz unterschiedliche Entwicklung in den einzelnen Ortsverbänden – und auch bei den handelnden Akteuren – verbietet allerdings jede schematische Beurteilung. Mit Hilfe einer eigens entwickelten Typologie soll für den fundamentalen Prozess der Parteispaltung ein Raster angeboten werden, mit dem sich auch die Entwicklung außerhalb Bayerns erfassen lässt. Die Schilderung der Ereignisse endet unmittelbar vor dem revolutionären Umsturz in München am 7. November 1918. Diese für die bayerische Geschichte einschneidende Zäsur bedarf weiterhin einer Erklärung. Die kleine Gruppierung, die diesen Umsturz aktiv betrieb, steht im Mittelpunkt der Untersuchung. Um eine auf München zentrierte Darstellung bayerischer Geschichte zu vermeiden, werden daneben auch die lokalen Entwicklungen v. a. in Nürnberg, Aschaffenburg, Würzburg, Schweinfurt, Hof und Bayreuth berücksichtigt. Die Quellenlage für die behandelte Thematik ist – v. a. wegen des völligen Fehlens von Parteiarchivgut – schwierig. Die hervorragende Überlieferungslage bezüglich der bayerischen Ministerien und Behörden im Ersten Weltkrieg, ebenso bei der (Tages-)Presse sowie diverse sonstige kleinere Bestände ermöglichen es aber, eine hinreichend belastbare Quellengrundlage zu gewinnen – die allerdings eine erhebliche Zahl von Fragen weiter offen lässt.show moreshow less

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Metadaten
Author:Bernward Anton
URN:urn:nbn:de:bvb:384-opus4-30033
Frontdoor URLhttps://opus.bibliothek.uni-augsburg.de/opus4/3003
Advisor:Wolfgang Weber
Type:Doctoral Thesis
Language:German
Publishing Institution:Universität Augsburg
Granting Institution:Universität Augsburg, Philologisch-Historische Fakultät
Date of final exam:2012/11/28
Release Date:2015/06/23
Tag:Bayern; Sozialdemokratie; USPD
GND-Keyword:Geschichte 1914-1918; Sozialdemokratische Partei Bayerns; Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Institutes:Philologisch-Historische Fakultät / Europäische Kulturgeschichte
Dewey Decimal Classification:9 Geschichte und Geografie / 94 Geschichte Europas / 943 Geschichte Mitteleuropas; Deutschlands
Licence (German):License LogoDeutsches Urheberrecht