V. Milke, N. Oubaid, A. Schieferdecker, A. Ullrich, H. Schulz, S. Kaur, Sophie Meesters, K. Kremeike, C. Leminski, R. Voltz, K. Oechsle
- Hintergrund
In Deutschland versterben die meisten Menschen im Krankenhaus auf nicht-palliativspezialisierten Stationen. Daher begleiten Versorgende dieser Stationen auch Sterbende und deren Angehörigen. Ziel dieser Studie ist, zu untersuchen, (1) welche Einstellungen und Kenntnisse diese Versorgenden in Bezug auf die Hospiz- und Palliativversorgung haben und (2) ob sich verschiedene Berufsgruppen und Stationstypen diesbezüglich unterscheiden.
Methode
Online-Mitarbeitendenbefragung auf 10 nicht-palliativspezialisierten Stationen (6 Intensiv, 4 Normal), u.a. zur Selbsteinschätzung im Umgang mit Sterbenden und Angehörigen (19 Likert-skalierte Items: ‚1‘ stimmt nicht bis ‚5‘ stimmt). Explorative Gruppenvergleiche erfolgten auf Einzelitem-Ebene (Stationstyp: Mann-Whitney-U-Test; Berufsgruppen: Kruskal-Wallis-Test
Ergebnisse
Insgesamt nahmen n=201 Mitarbeitende teil (n=7 ausgeschlossen; Stationstyp: n=124 Intensiv, n=70 Normal; Berufsgruppe: n=54 ärztlich, n=115 pflegerisch undHintergrund
In Deutschland versterben die meisten Menschen im Krankenhaus auf nicht-palliativspezialisierten Stationen. Daher begleiten Versorgende dieser Stationen auch Sterbende und deren Angehörigen. Ziel dieser Studie ist, zu untersuchen, (1) welche Einstellungen und Kenntnisse diese Versorgenden in Bezug auf die Hospiz- und Palliativversorgung haben und (2) ob sich verschiedene Berufsgruppen und Stationstypen diesbezüglich unterscheiden.
Methode
Online-Mitarbeitendenbefragung auf 10 nicht-palliativspezialisierten Stationen (6 Intensiv, 4 Normal), u.a. zur Selbsteinschätzung im Umgang mit Sterbenden und Angehörigen (19 Likert-skalierte Items: ‚1‘ stimmt nicht bis ‚5‘ stimmt). Explorative Gruppenvergleiche erfolgten auf Einzelitem-Ebene (Stationstyp: Mann-Whitney-U-Test; Berufsgruppen: Kruskal-Wallis-Test
Ergebnisse
Insgesamt nahmen n=201 Mitarbeitende teil (n=7 ausgeschlossen; Stationstyp: n=124 Intensiv, n=70 Normal; Berufsgruppe: n=54 ärztlich, n=115 pflegerisch und n=25 andere). Diese schätzten ihre Fähigkeiten im Umgang mit Sterbenden und Angehörigen überwiegend positiv ein (M=3,8 (SD=0,9) bis M=4,1 (SD=0,9); 62% der Item-Mittelwerte≥4). Kenntnisse über die relevante Gesetzgebung, Inhalte und Arbeitsweisen lokaler Netzwerkstrukturen und die Initiierung der Begleitung von Patient:innen und Angehörigen durch Hospiz- und Palliativversorgung lagen kaum oder teilweise vor (M=2,3 (SD=1,1) bis M=3,3 (SD=1,2)). Auch bei Konflikten zwischen ethischen Grundsätzen der Autonomie und Fürsorge berichten Mitarbeitende teilweise unsicher zu sein (M=3,4, SD=1,0). Mitarbeitende der Intensiv- oder Normalstationen unterschieden sich weder in Bezug auf die Einstellung im Umgang mit Sterbenden und Angehörigen noch auf die vorhandenen Kenntnisse über die Hospiz- und Palliativversorgung voneinander (ρ=0,054 bis ρ=0,887). In Bezug auf die Berufsgruppenzugehörigkeit berichten Pflegefachkräfte (M=4,1, SD=0,9), besser als Ärzt:innen spüren zu können, was ihnen schadet oder guttut (M=3,7, SD=0,9; ρ=0,004, r=0,23; schwacher Effekt). Ärzt:innen (M=4,3, SD=0,7) wiederum fiel es im Vergleich zu Pflegefachkräften (M=3,3, SD=1,2) leichter, mit Patient:innen und Angehörigen über Hospiz- und Palliativversorgung zu sprechen (ρ<0,001, r=0,32, mittlerer Effekt).
Schlussfolgerung
Mitarbeitende schätzen ihre Fähigkeiten in der Versorgung von sterbenden Patienten positiv ein. Aber es gibt vor allem im Bereich der ethischen Fragestellung Unsicherheiten, die den Einsatz von ethischen Fallbesprechungen bekräftigen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Versorgenden nicht-palliativspezialisierter Stationen mit den Sozial- und (multiprofessionellen) Palliativdiensten sowie kurze Informationsblätter über die Hospiz- und Palliativversorgung könnten zur Verbesserung der Kenntnisse von Versorgenden beitragen.…

