Denkwege: das Open-Closed Exam (OCE) als longitudinales Prüfungskonzept [Abstract]

  • Hintergrund/Fragestellung: Klassische MC-Prüfungen fördern kurzfristige Wissensreproduktion (Bulimielernen) und stehen in Spannung zu kompetenzorientierten Lernzielen. Gleichzeitig sind offene Prüfungsformate ressourcenintensiv und schwer standardisierbar. Das Open-Closed Exam (OCE) verbindet als longitudinales Prüfungsdesign offene Fallbearbeitung, Clinical Reasoning und summative MC-Prüfung systematisch und wirkt konstruktiv lernsteuernd. Methoden: Zu Beginn des Studienabschnitts bearbeiten Studierende klinische Fallvignetten mit offenen Fragen (Eingangstestat). Diese Vignetten begleiten die Lehrveranstaltungen als wiederkehrende Referenzfälle. Am Ende des Lernabschnitts beantworten die Studierenden MC-Fragen zu denselben Fällen. Bei der Erstellung können Distraktoren aus den mithilfe von KI extrahierten Fehlkonzepten der offenen Antworten genutzt werden. Das Format wurde zweimal pilotiert (n=91 und n=60). Neben organisatorischer Machbarkeit und qualitativen Daten zur AkzeptanzHintergrund/Fragestellung: Klassische MC-Prüfungen fördern kurzfristige Wissensreproduktion (Bulimielernen) und stehen in Spannung zu kompetenzorientierten Lernzielen. Gleichzeitig sind offene Prüfungsformate ressourcenintensiv und schwer standardisierbar. Das Open-Closed Exam (OCE) verbindet als longitudinales Prüfungsdesign offene Fallbearbeitung, Clinical Reasoning und summative MC-Prüfung systematisch und wirkt konstruktiv lernsteuernd. Methoden: Zu Beginn des Studienabschnitts bearbeiten Studierende klinische Fallvignetten mit offenen Fragen (Eingangstestat). Diese Vignetten begleiten die Lehrveranstaltungen als wiederkehrende Referenzfälle. Am Ende des Lernabschnitts beantworten die Studierenden MC-Fragen zu denselben Fällen. Bei der Erstellung können Distraktoren aus den mithilfe von KI extrahierten Fehlkonzepten der offenen Antworten genutzt werden. Das Format wurde zweimal pilotiert (n=91 und n=60). Neben organisatorischer Machbarkeit und qualitativen Daten zur Akzeptanz wurden Itemkennwerte und studentische Rückmeldungen anhand von Fokusgruppen und nicht standardisierten Fragebögen analysiert. Ergebnisse: Das Modell war organisatorisch umsetzbar, jedoch mit initialem Abstimmungsbedarf hinsichtlich Blueprint und Bewertungsraster verbunden. KI-gestützte Distraktorgenerierung reduzierte den Aufwand der Itemerstellung erheblich, machte eine intensive Nachbearbeitung jedoch nicht überflüssig. In den begleitenden Erhebungen bezeichnen 71,9% der Studierenden und 63,4% der Lehrenden das Verfahren als lern- und verhaltenssteuernd. Es wurden signifikant weniger Anki-Karten verwendet. Die resultierenden MC-Items zeigten gute Schwierigkeits- und Trennschärfeindizes. Interessanterweise unterschieden sich Itemkennwerte einzelner Fragen, die nicht vollständig dem vorgesehenen OCE-Raster entsprachen, nicht signifikant von regelkonformen OCE-Items. Dies weist darauf hin, dass der zentrale Effekt möglicherweise weniger in der Distraktorlogik als in der longitudinalen Fallbindung liegt. Diskussion: Das OCE verbindet formative und prospektiv wirksame Wissensaktivierung mit summativer Entscheidungsanforderung und schafft curriculare Kohärenz zwischen Lehre und Prüfung. Die KI-Unterstützung ermöglicht Skalierbarkeit. Weitere Forschung ist erforderlich, um Lernwirksamkeit und langfristige Effekte auf Konzeptverständnis systematisch zu evaluieren. Take-Home-Messages: Das Open-Closed Exam macht Prüfungsrelevanz transparent und wirkt konstruktiv lernförderlich.…show moreshow less

Download full text files

Export metadata

Statistics

Number of document requests

Additional Services

Share in Twitter Search Google Scholar
Metadaten
Author:Paul Güntzel, Felix JoachimskiORCiD, Lousia Hecht, Marco RoosORCiDGND, Frederik Schelter, Christoph SchindlerORCiD
URN:urn:nbn:de:bvb:384-opus4-1340032
Frontdoor URLhttps://opus.bibliothek.uni-augsburg.de/opus4/134003
Parent Title (German):Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA), Dresden, 17.9.–19.9.2026
Publisher:German Medical Science GMS Publishing House
Place of publication:Düsseldorf
Editor:Marjo Wijnen-Meijer
Type:Conference Proceeding
Language:German
Date of Publication (online):2026/10/15
Year of first Publication:2026
Publishing Institution:Universität Augsburg
Release Date:2026/10/15
First Page:DocP-0706
DOI:https://doi.org/10.3205/26gma175
Institutes:Medizinische Fakultät
Medizinische Fakultät / Universitätsklinikum
Medizinische Fakultät / Lehrstuhl für Medizindidaktik und Ausbildungsforschung
Medizinische Fakultät / Lehrstuhl für Allgemeinmedizin
Dewey Decimal Classification:6 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften / 61 Medizin und Gesundheit / 610 Medizin und Gesundheit
Licence (German):CC-BY 4.0: Creative Commons: Namensnennung