Neues zum Findling-Streufeld des Kempter Waldes im Allgäu

  • Eines der größten Findling-Streufelder des Alpenvorlandes, mit einer Fläche von 160,5 km2, liegt im Bereich des Kempter Waldes im Allgäu, an der Nahtstelle zwischen dem Iller- und dem Lech-Wertach-Vorlandgletscher. Es besteht aus mehr als 2528 Einzelblöcken mit Durchmessern zwischen 0,5 und 25 m. Die Blöcke lassen sich vom NW-Hang des aus Konglomeraten der Unteren Süßwassermolasse (USM) aufgebauten Rottachberges in nördlicher Richtung über den Kempter Wald bis zum Haarberg südlich von Günzach verfolgen, über eine Entfernung von mehr als 25 km. Sein Westrand liegt bei Durach und Betzigau, seinen Ostrand markiert die Wertach. Das gesamte Findling-Streufeld des Kempter Waldes wurde durch einen der beiden Autoren (Müller) kartiert. Jeder einzelne Findling wurde dabei erstmals exakt lokalisiert und seiner Größe sowie seines Materials nach klassifiziert. Die Blöcke, die größtenteils aus grobkörnigen Molassekonglomeraten der Kojenschichten (USM) bestehen, erreichen Durchmesser bis zu 25 m.Eines der größten Findling-Streufelder des Alpenvorlandes, mit einer Fläche von 160,5 km2, liegt im Bereich des Kempter Waldes im Allgäu, an der Nahtstelle zwischen dem Iller- und dem Lech-Wertach-Vorlandgletscher. Es besteht aus mehr als 2528 Einzelblöcken mit Durchmessern zwischen 0,5 und 25 m. Die Blöcke lassen sich vom NW-Hang des aus Konglomeraten der Unteren Süßwassermolasse (USM) aufgebauten Rottachberges in nördlicher Richtung über den Kempter Wald bis zum Haarberg südlich von Günzach verfolgen, über eine Entfernung von mehr als 25 km. Sein Westrand liegt bei Durach und Betzigau, seinen Ostrand markiert die Wertach. Das gesamte Findling-Streufeld des Kempter Waldes wurde durch einen der beiden Autoren (Müller) kartiert. Jeder einzelne Findling wurde dabei erstmals exakt lokalisiert und seiner Größe sowie seines Materials nach klassifiziert. Die Blöcke, die größtenteils aus grobkörnigen Molassekonglomeraten der Kojenschichten (USM) bestehen, erreichen Durchmesser bis zu 25 m. Nur etwa 4% der Blöcke, allesamt von kleiner Größe, bestehen aus anderen Gesteinen, fast ausschließlich aus Flyschsandsteinen. Die Findlinge sind sehr ungleichmäßig verteilt und bilden teilweise große Findlingsgruppen, die aus mehr als 100 Einzelblöcken bestehen können. Besonders hohe Blockdichten werden einerseits in jungen Erosionstälern erreicht, in denen sich die aus den Geschiebelehmen ausgespülten Blöcke angereichert haben. Andererseits häufen sich Findlinge auch auf Rückzugsmoränen, wo sie streifenförmig angeordnet sind. Massive anthropogene Veränderungen der Findlingsdichte ließen sich vor allem für kleine Blöcke im Bereich landwirtschaftlicher Nutzflächen nachweisen. Das gesamte Findling-Streufeld des Kempter Waldes ist vom Ostrand des lller-Vorlandgletschers abzuleiten. Seine ältesten Teile am Haarberg sind während der würmglazialen Maximalstände entstanden, seine jüngsten Abschnitte am Fuße des Rottachberges, stammen aus dem ausgehenden Würm-Hochglazial. Während des Rückschmelzens des Eises kam es offensichtlich zu Wiedervorstößen des östlichen Iller-Vorlandgletschers (Wildpoldsrieder Lobus), wobei vom Rottachberg stammende Findlinge am Westrand des Kempter Waldes zwischen Sulzberg und Betzigau abgesetzt wurden. Weiterhin scheinen aber auch Gletscherzungen des Iller-Vorlandgletschers vom Rottachberg her über Bodelsberg und das Rottachtal bis nach Bachtels in nordöstlicher Richtung vorgedrungen zu sein (Rotwässerlezunge). Diese gleichfalls mit Konglomeratblöcken des Rottachberges beladenen Gletscherzungen drangen auf der Ostseite des Kempter Waldes über Görisried fast bis Kraftisried nach N vor. Das Vordringen von Zungen des Illergletschers in Bereiche, in denen vorher der Lech-Wertach-Vorlandgletscher gelegen hatte, ist aber nur möglich, wenn das Gebiet zwischen dem Kempter Wald und der Wertach zu diesem Zeitpunkt schon weitgehend eisfrei war.show moreshow less
  • One of the most extended dispersions of glacial erratics is situated in the area of the Kempter Wald in the Allgäu along the former contact line of piedmont glaciers using the adjacent valleys of the Iller and Lech rivers. Consisting out of more than 2528 erratics of between 0.5 and 25 meters in diameter, the dispersion field covers about 160,5 km2 and extends more than 25 kilometers, from the foot of the Rottachberg to the Haarberg just south of Günzach. The entire dispersion field was mapped by one of the authors (Müller) with respect to the erratic's location, size and material. The vast majority of the dispersion's erratics are composed of Molasse conglomerates of the Kojenschichten (USM). Only about 4% of the boulders consist of different rocks - almost exclusively of flysch sandstone. The individual boulders are distributed irregularly, while at times forming large groups of more than 100 erratics. On the one hand, erratics have accumulated at the bottom of erosive valleys afterOne of the most extended dispersions of glacial erratics is situated in the area of the Kempter Wald in the Allgäu along the former contact line of piedmont glaciers using the adjacent valleys of the Iller and Lech rivers. Consisting out of more than 2528 erratics of between 0.5 and 25 meters in diameter, the dispersion field covers about 160,5 km2 and extends more than 25 kilometers, from the foot of the Rottachberg to the Haarberg just south of Günzach. The entire dispersion field was mapped by one of the authors (Müller) with respect to the erratic's location, size and material. The vast majority of the dispersion's erratics are composed of Molasse conglomerates of the Kojenschichten (USM). Only about 4% of the boulders consist of different rocks - almost exclusively of flysch sandstone. The individual boulders are distributed irregularly, while at times forming large groups of more than 100 erratics. On the one hand, erratics have accumulated at the bottom of erosive valleys after having been washed out of boulder clays. On the other hand, they are also concentrated on recessional moraines, forming bands of supraglacial deposits. The entire dispersion of glacial erratics originated from the eastern side of the Iller piedmont glacier. Its oldest parts at the Haarberg were formed during the maximum advances of the Würm glaciation, its youngest parts at the foot of the Rottachberg during the end of the Würm glacial period. Towards the end of the Würm glaciations, the receding Iller Piedmont Glacier seems to have re-advanced, thus depositing the erratics on the western side of the Kempter Wald between Sulzberg and Betzigau. Simultaneously, its most eastern components seem to have advanced via Bodelsberg, the Rottach valley to Bachtels (Rotwässerlezunge). Laden with Molasse conglomerates from the Rottachberg, this glacier tongue amalgamated with the Wertach glacier and advanced north until Kraftisried. However, this intrusion of the Iller Piedmont Glacier into the area formerly occupied by the Lech-Wertach Piedmont Glacier was only possible after it had been cleared by the latter before.show moreshow less

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Metadaten
Author:Martin X. Müller, Herbert Scholz
URN:urn:nbn:de:bvb:384-opus4-24019
Frontdoor URLhttps://opus.bibliothek.uni-augsburg.de/opus4/2401
Parent Title (German):Berichte des Naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben
Type:Article
Language:German
Year of first Publication:2011
Publishing Institution:Universität Augsburg
Release Date:2013/08/05
GND-Keyword:Kempten (Allgäu), Region; Erratischer Block
Volume:115
Issue:2011
First Page:95
Last Page:127
Institutes:Fakultät für Angewandte Informatik / Geographie
Dewey Decimal Classification:5 Naturwissenschaften und Mathematik / 55 Geowissenschaften, Geologie / 550 Geowissenschaften
Licence (German):License LogoDeutsches Urheberrecht