Der Bildhauer Bernhard Bleeker (1881-1968) : Leben und Werk

The sculptor Bernhard Bleeker (1881-1968)

  • Bei der Dissertation über den Bildhauer Bernhard Bleeker (1881-1968) handelt es sich um einen monografischen Überblick zu seinem Leben und Werk, dem ein umfangreiches Werkverzeichnis beigefügt ist. Bernhard Bleeker, geboren in Münster, kam im Jahre 1899 nach München, um an der Akademie der Bildenden Künste bei Professor Wilhelm von Rümann das Studium der Bildhauerei aufzunehmen, das er im Jahre 1906 abschloss. Bereits während seiner Akademiezeit erhielt er mehrere Auszeichnungen und Belobigungen, darüber hinaus schuf er in den Jahren 1903 bis 1905 sein erstes eigenständiges Werk, einen St. Michael-Brunnen für die Stadt Miesbach in Oberbayern. Dieses Werk ist noch stark von einem zeittypischen neobarocken Stil geprägt, der unter anderem von seinem Lehrer Rümann und zahlreichen Münchner Bildhauerkollegen vertreten wurde. Alsbald distanzierte sich der junge Bildhauer von Rümann und geriet in den Bannkreis des wohl bedeutendsten deutschen Bildhauers jener Zeit, Adolf von Hildebrand, derBei der Dissertation über den Bildhauer Bernhard Bleeker (1881-1968) handelt es sich um einen monografischen Überblick zu seinem Leben und Werk, dem ein umfangreiches Werkverzeichnis beigefügt ist. Bernhard Bleeker, geboren in Münster, kam im Jahre 1899 nach München, um an der Akademie der Bildenden Künste bei Professor Wilhelm von Rümann das Studium der Bildhauerei aufzunehmen, das er im Jahre 1906 abschloss. Bereits während seiner Akademiezeit erhielt er mehrere Auszeichnungen und Belobigungen, darüber hinaus schuf er in den Jahren 1903 bis 1905 sein erstes eigenständiges Werk, einen St. Michael-Brunnen für die Stadt Miesbach in Oberbayern. Dieses Werk ist noch stark von einem zeittypischen neobarocken Stil geprägt, der unter anderem von seinem Lehrer Rümann und zahlreichen Münchner Bildhauerkollegen vertreten wurde. Alsbald distanzierte sich der junge Bildhauer von Rümann und geriet in den Bannkreis des wohl bedeutendsten deutschen Bildhauers jener Zeit, Adolf von Hildebrand, der eine zurückhaltende neoklassizistische Stilausformung vertrat. Diese Kunstauffassung wurde für Bleeker nun bis an sein Lebensende prägend, wenngleich er in seinen Werken, besonders der Zwanziger Jahre und der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, teilweise auch leicht reduzierte archaisierende Formen einbrachte. Bleeker, der 1913 Mitbegründer der "Münchner Neuen Secession" war, kam schon früh in Kontakt mit dem Hause Wittelsbach, dessen Gunst er sich sicher sein konnte. Darüber hinaus war er in den Zwanziger Jahren ein einflussreiches Mitglied zahlreicher Künstlerkommissionen Münchens und von 1922 bis 1944 Professor für Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München. Aufgrund des immer größer werdenden Einflusses der Nationalsozialisten entschied sich Bleeker, im November 1932 Parteimitglied zu werden. Während des Dritten Reiches nahm er häufig als angesehener Künstler an propagandistischen Ausstellungen teil, so mehrmals an der "Großen Deutschen Kunstausstellung" im "Haus der Deutschen Kunst" in München und erhielt einige Staatsaufträge, so beispielsweise zwei gefallene Krieger für das Reichsehrenmal Tannenberg. Noch im September 1944 wurde Bleeker im persönlichen Auftrag Hitlers ein Zuschuss von 20.000 Reichsmark für zwei (jedoch nicht mehr vollendete) Rossebändiger-Gruppen für die Stadt Augsburg gewährt. Im Jahre 1946 entnazifiziert und zu einer Sühnestrafe von 20.000 Reichsmark und dreijährigem Lehrverbot verurteilt, konnte Bleeker ab den Fünfziger Jahren wieder zahlreiche, nicht unbedeutende Werke schaffen. Sein (ermittelbares) Œuvre umfasst mehr als 460 Arbeiten. Einen Großteil nehmen Portraitköpfe und Büsten ein, die von naturalistischen über "impressionistische" und expressionistische bis hin zu neoklassizistischen Werken reichen. Bleeker fertigte Portraits von zahlreichen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, so von Prinzregent Luitpold, König Ludwig III. von Bayern, Paul von Hindenburg, Adolf Hitler, Hermann Göring, von Wissenschaftlern, Gelehrten, Künstlern und Schriftstellern. Zahlreiche Denkmäler im öffentlichen Raum prägen noch heute das Münchner Stadtbild. So gilt der "Tote Soldat" (1921-1924) im Kriegerehrenmal im Münchner Hofgarten gemeinhin als sein Hauptwerk (seit 1972 befindet sich das Marmor-Original im Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt, das Münchner Kriegerehrenmal beherbergt eine Bronze-Kopie). Diese Arbeit fand zahlreiche Nachahmungen und wurde vor und besonders während des Dritten Reiches politisch instrumentalisiert und für revanchistische "Wiedererweckungsambitionen" vereinnahmt. Bleekers "Jüngling mit Speer" aus dem Jahre 1935, mehrmals in Bronze gegossen, zeigt exemplarisch seine Vorliebe für neoklassizistische, am griechischen Ideal angelehnte Formausbildungen. Die nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen großplastischen Werke, eine Mädchenstatue für den Garten für Schloß Ringberg, ein "Kronprinz-Rupprecht-Brunnen" für München und einen "Fortuna-Brunnen" für die Staatliche Lotterieverwaltung München, sind dagegen gezeichnet von einem als "Nachkriegsklassizismus" zu nennenden Stil mit archaisierend-reduzierter Binnenstruktur, die als Abkehr vom Monumentalismus des Dritten Reiches gesehen werden können. Bleekers übrige Werke (neben privater Malerei vornehmlich in impressionistischer Manier), Grabmäler, Denkmäler, Kleinplastiken, Münzen und Medaillen, sind in ähnlicher Weise epochenspezifisch gestaltet.show moreshow less
  • The subject of the dissertation of the sculptor Bernhard Bleeker (1881-1968) is a monographical view on his work, followed by an voluminous catalogue. Bernhard Bleeker, born at Münster, came to Munich in the year 1899 to study sculpture at the academy of fine arts, terminating his study in 1906. His teacher was professor Wilhelm von Rümann. During his time in the academy, Bleeker received several prizes and commendations, beyond that, he created his first independent piece of work, a fountain, which shows the Holy Michael killing the dragon, for the upper-bavarian town Miesbach between the years 1903 and 1905. This work is still influenced by a typically neobaroque style, represented by his teacher Rümann and other numerous artist-colleagues. But thereupon the young Bleeker distanced himself from Rümann and came under influence of probably the most significant sculptor of that time, Adolf von Hildebrand, who represented a reserved neoclassical art of composition. This taste of art wasThe subject of the dissertation of the sculptor Bernhard Bleeker (1881-1968) is a monographical view on his work, followed by an voluminous catalogue. Bernhard Bleeker, born at Münster, came to Munich in the year 1899 to study sculpture at the academy of fine arts, terminating his study in 1906. His teacher was professor Wilhelm von Rümann. During his time in the academy, Bleeker received several prizes and commendations, beyond that, he created his first independent piece of work, a fountain, which shows the Holy Michael killing the dragon, for the upper-bavarian town Miesbach between the years 1903 and 1905. This work is still influenced by a typically neobaroque style, represented by his teacher Rümann and other numerous artist-colleagues. But thereupon the young Bleeker distanced himself from Rümann and came under influence of probably the most significant sculptor of that time, Adolf von Hildebrand, who represented a reserved neoclassical art of composition. This taste of art was valid for Bleeker as long as he lived, although he partially used some modest archaical forms in the 20ies and in the time after the World War II. Bleeker, who was co-founder of the "Münchner Neue Secession" in 1913, came in contact to the dynasty of Wittelsbach, whose favour he could be certain of. He also was an influential member of numerous art-commissions in the 20ies. According to growing influence of the National Socialists, Bleeker decided to become a member of the party of the Nazis. During the Third Reich, Bleeker as an well respected artist often participated in propagandistic exhibitions, for example at the "Große Deutsche Kunstausstellung" at the "Haus der Deutschen Kunst" in Munich. Beyond that, he formed by order of the state two fallen soldiers for the so-called "Reichsehrenmal Tannenberg". In September 1944 Bleeker got in personally order by Adolf Hitler an additional supply for two horse-breakers for Augsburg (but these works were not finished). After denazification in 1946 (the artist was sentencend to a penalty of heavy fine, dismissed as teacher at the academy and wasn't allowed to teach for three years) Bleeker could produce numerous significant works after 1950. His ascertainable Œuvre includes more than 460 works. Portraitbusts fill a big part of it, reaching from naturalistic, impressionistic, expressionistic to neoclassical forms. The scupltor created portraits of the bavarian prince-regent Luitpold, his son king Ludwig III., Paul von Hindenburg, Adolf Hitler, Hermann Göring, scientists, savants and authors. Many monuments in public space can still be seen in the general aspect of munich today. His masterpiece is the so-called "Tote Soldat" (1921-24) in the war-memorial at the Munich Hofgarten (since 1972 the original work of marble has found a place in the "Bayerisches Armeemuseum" in Ingolstadt, the munich war-memorial shelters a bronze-reproduction). This work found many imitations an was used for nationally restoration before and especially during the Third Reich. Bleekers adolescent spearsman from 1935, several times casted in bronze, exemplary shows the artists preference for neoclassical formstructure, following the example of greek statues. On the other hand, formative plastics, generated after World War II, as a statue of a young girl in the garden of castle Ringberg, the fountain for "Kronprinz Rupprecht" in Munich and finally the "Fortuna-Brunnen" in the building of the state lottery administration, are signed by a post-war-classizism with archaic-reduced interior structure and can be seen as an act of turning away from the imposing effects of the Third Reich. The artists remaining works, tombs, monuments, small plastic sculpture, coins and medals, are shapen epoch-specific.show moreshow less

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Metadaten
Author:Frank Henseleit
URN:urn:nbn:de:bvb:384-opus-5104
Frontdoor URLhttps://opus.bibliothek.uni-augsburg.de/opus4/467
Advisor:Thomas Raff
Type:Doctoral Thesis
Language:German
Publishing Institution:Universität Augsburg
Granting Institution:Universität Augsburg, Philologisch-Historische Fakultät
Date of final exam:2006/06/07
Release Date:2007/02/14
Tag:Bleeker, Bernhard; Neoklassizismus; Hildebrand, Adolf von; Skulptur; Bildhauerei
sculptor
GND-Keyword:Bildnisplastik; Plastik; Bildhauer; München / Akademie der Bildenden Künste; Drittes Reich
Institutes:Philologisch-Historische Fakultät / Kunstgeschichte
Dewey Decimal Classification:7 Künste und Unterhaltung / 73 Bildhauerkunst, Keramik, Metallkunst / 730 Plastische Künste; Bildhauerkunst